"Bevor wir wieder losziehen, sollen unsere vsf Reiseräder komplett erneuert werden", hat mein lieber Mann mehrere Wochen vor unserem Start entschieden. Eigentlich eine gute Idee - doch keiner von uns konnte ahnen, wieviel Kopfzerbrechen und schlaflose Nächte uns die ungebetenen Nebenwirkungen dieses Plans bereiten würden. Denn die "Streetmachine" (Michaels Fahrrad) trug schon seit geraumer Zeit ein Problem mit sich herum, für das es scheinbar keine Lösung gab:

Die Sattelstütze saß im Rahmen fest.  

Sie bewegte sich kein bisschen und ließ sich weder verstellen, noch drehen, geschweige denn entfernen. Nach vielen mühevollen Versuchen ist die Sattelstütze schließlich abgerissen! Aus dem Rohr des vsf Rahmens guckte nun ein ausgefranstes Stück Aluminium-Rohr, das (gefühlt) noch fester drin steckte als zuvor. 

Unmöglich, dort wieder eine Sattelstütze bzw. einen Sattel zu montieren!

Was nun? Es war zwei Wochen vor unserem Reisestart "Fahrradreise mit Kindern in Asien" - und Michael hatte kein Fahrrad!?!? Er MUSSTE dieses Alurohr irgendwie dort raus bekommen ...!

Viel Recherche im Internet brachte ihn schließlich auf zwei Möglichkeiten, wie es klappen könnte. Die eine sehr vielversprechend, vergleichsweise einfach aber höchst ungewiss. Die andere überaus mühevoll, dafür aber recht zuverlässig erfolgversprechend:

 

1. Abkühlen

Irgendwo in den weiten des www. ist zu lesen, dass man die Sattelstütze mit einer (oder mehreren) CO2-Patronen abkühlen soll, da sich das Aluminium bei Kälte stärker zusammenzieht, als der Stahl des Fahrradrahmens. Dann kann man es (womöglich!!) lösen und herausziehen. Dies war aber nur eine Gegen-Idee zu der Frage, ob Erhitzen etwas bringen könnte. Erhitzen ist nämlich grundverkehrt, da sich das Alu bei Hitze mehr ausdehnt als der Stahl, der es umschließt. 

 

2. Heraussägen

Mit Hilfe eines einfachen Werkzeugs, nämlich einem Sägeblatthalter, kann ein Sägeblatt so eingespannt werden, dass man von innen ins Rohr hineinsägen kann. Es müssen mehrere Kerben über die ganze Länge des Sattelrohrs gesägt werden, das sollte die Spannung aus dem Alurohr nehmen, so dass die einzelnen Teile dann entfernt werden können. 

 

Bei all den Überlegungen war natürlich auch noch völlig offen, was Michael vorfinden würde, wenn er das Rohr rausbekommt. Eine glatte Oberfläche, wo man ruhigen Gewissens wieder eine Sattelstütze montierenkann? Oder ein verrostetes, pickeliges Innenrohr, das es noch auszupolieren galt?

 

In der Hoffnung auf schnellen Erfolg probierte Michael zuerst Methode Nr. 1: Abkühlen. Er stach mehrere CO2-Patronen, wie man Sie für schnelle Reifenreparaturen kaufen kann, an und kühlte den Alu-Stumpf. Es passierte - gar nichts. Dem Material schien es völlig gleichgültig, wie warm oder kalt es war. Das Alu saß zu fest drin. Myth-Buster: Wenn's fest sitzt, bringt Abkühlen nichts. 

Also musste der Sägeblatthalter ran. Michael sägte und sägte - und hörte gar nicht mehr auf. Motiviert von der bangen Vorstellung, auf der Fahrradreise kein Fahrrad zu haben (oder womöglich auf die Schnelle seins auf einen anderen Rahmen umbauen zu müssen), sägte er und sägte unermüdlich. Er sägte zwei Tage lang und auch unser lieber Vermieter, der Karl, sägte mit, wenn Michael gerade pausierte, um seine verkrampfte Hand zu lockern. 

Sattelstütze sitzt fest

Bei dem ganzen Gesäge machte er einen entscheidenden Fehler, wegen dem alles weitaus länger dauerte, als im Optimalfall: Er wähnte die gesägte Kerbe als komplett, also dass sie schon über die ganze Länge der Sattelstütze geht. Doch das war nicht der Fall. Unten fehlten noch etwa vier Zentimeter. Man kann schlecht reingucken und so mühte er sich eine ganze Weile vergeblich und wunderte sich sehr, warum die Sattelstütze nur ganz unten so fest war, wo sich der obere Teil doch bereits leicht bewegte. 

Schließlich aber erkannte er seinen Fehler - und damit war das Schicksal des Alu-Stumpfes besiegelt. Er sägte die letzten paar Zentimeter, die noch gefehlt hatten - und dann ertönte wirklich irgendwann dieser verheißungsvolle "Pling"-Ton, auf den Michael so lange gewartet hatte, und der ihm verriet, dass die Spannung nun aus dem Rohr raus war. Das Ergebnis: Ein blankes, schönes Rohr und -innenrohr. Warum saß es so fest? Genaues Hinsehen verriet uns die Lösung dieses Rätsels: Der Rahmen war seit dem Unfall in Georgien minimal gestaucht - daher hat sich das Sattelrohr verkantet.

Was für eine Erleichterung! Unserer Weiterreise stand nun nichts mehr im Wege! Hier geht's zum Zeitungsartikel über unseren Re-Start